Pressestimme zum Stück Der Butler und die Elfe

Quelle: Mainpost von Wolfgang Jung vom 2001-11-29
Sie spielen für den Spaß der Leute WürzburgSonntagnachmittag im Würzburger Kolpingsaal, hinter der Bühne, kurz vor Vorstellungsbeginn. Der Garderobenraum ist vollgestopft mit lachenden, quasselnden Leuten.In der Luft steht der Zigarillo-Qualm des Regisseurs. Kuchen und Wein, gerade reichlich aufgetischt, nehmen rasch ab. Hat jemand Lampenfieber? Gelächter. Das war scheinbar eine blöde Frage. Aber eine Dame sieht doch ein bisschen lampenfiebrig aus. Kinder wuseln herum. Auf einer Familienfeier sieht's genauso aus. Nur dass die Leute hier geschminkt und kostümiert sind. Der Regisseur ruft rein: "Die Familie Kusch ist da!" Die Kuschs sind Berufsschauspieler. Die Lampenfiebrige stöhnt: "Oh, hädsd es lieber nid gsachd." Die Laienspielgruppe der Dompfarrei, das sind in diesem Jahr 22 Leute: 14 spielen "Der Butler und die Elfe", ein groteskes Märchen von Karin C. Schomogyi. Vier kümmern sich um Maske, Bühnenbild und Bühnentechnik. Zwei Inspizientinnen passen auf, dass niemand seinen Auftritt verschwitzt. Eine Souffleuse hilft gegen Text-Patzer. Der Regisseur pafft Zigarillos. Der Regisseur ist ein Naturtalent, sagt Franz-Josef Götz. Götz, im Berufsleben Beamter, leitet die Produktion. Er erzählt, dass der Regisseur Rolf Düchting, ein Kaufmann, das Stück auswählt, die Rollen besetzt und die Proben leitet. Seit Mitte September zweimal die Woche, bis die Sache sitzt. Düchting, sagt Götz, hat hohe Ansprüche. Düchting wiederum sagt, er findet bewundernswert, welche Textmengen sich seine Leute einpauken. Peter Steinert, der heuer den Butler spielt, hat schon mal an einer Profi-Bühne gespielt, im Theater Chambinzky. Da gab es keine Souffleuse, fürsorgliche Inspizienten auch nicht, jeder musste sich selbst um seinen Kram kümmern. "Da wirst du ganz anders gefordert", sagt er, "das ist halt kommerziell, die legen ganz andere Maßstäbe zugrunde". Und Götz fasst zusammen: "Das ist eine ganz andere Hetze." Die Schauspieler sind Banker, Hausfrauen, Erzieherinnen, Angestellte, Beamte, Kaufleute. Glaubt man dem Produktions- und seinem Spielleiter, gibt's keine Eitelkeiten in der Gruppe; nicht mal am Besetzungsplan wird herumgemault. Götz schwärmt von der Harmonie, die wohl damit zu tun hat, dass die Gruppe ein dreiviertel Jahr lang nicht zusammenkommt. 1969 ging es los mit der Gruppe. Auskunft gibt's über die Anfänge nur ungefähre, etwa, dass der Gemeinderat der Dompfarrei den jungen Leute empfahl, sie sollten etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit tun. Noch im gleichen Jahr spielte die frisch gegründete Laienspielschar einmal "Das Wunder des heiligen Florian". 1970 nahm sie das Stück wieder auf und spielte es zweimal. Kontinuierlich stieg die Zahl der Vorstellungen, bis es 1989 mit "Charlys Tante" erstmals acht waren. So viele wie heute. Die Bindung zur Dompfarrei dagegen ist lose geworden. Viele Gruppenmitglieder sind aus der Pfarrei weggezogen, andere aus anderen Stadtteilen dazu gekommen. Vor Jahren haben sie über eine Namensänderung nachgedacht, ließen's aber sein, denn "Laienspielgruppe der Dompfarrei" ist ein Markennamen geworden. Ihrer Tradition, statt Eintritt nur Spenden zu nehmen, damit jeder ins Theater kann, ist die Gruppe ebenfalls treu geblieben. Götz sagt, die Ensemblemitglieder spielen nicht, um sich selbst zu verwirklichen. Sie machen das, damit das Publikum Spaß hat. Den schönsten Beifall aber kriegen die Laienspieler gar nicht mit: Nach der Vorstellung gehen viele Leute mit einem Strahlen im Gesicht heim.