Pressestimme zum Stück Der Meisterboxer

Quelle: Volksblatt Würzburg vom 1987-11-19
Eine Szene aus dem Schwank "Der Meisterboxer": Auch Fritz (Johannes Illig), der Sohn des Sauerkrautfabrikanten und angeblichen Meisterboxers Friedrich Breitenbach, hat Spaß an Vaters Geburtstagsgeschenk. Angesichts der furchterregenden Männerfaust, verschlägt es der Freundin von Fritz, der sonst so temperamentvollen Italienerin Colleta (Michaela Janocha), die Sprache. Foto: ObermeierDie "Meisterboxer" im RingGeplant ist heuer: siebenmal herzhaft lachen"Ring frei zur ersten Runde" hieß es am Dienstag abend im großen Saal des Kolpinghauses. Angetreten im Kampf um die Gunst des hochverehrten Publikums war, "Der Meisterboxer", ein Schwank in drei Akten von Otto Schwartz und Carl Mathern. Seit nunmehr 18 Jahren wagt sich die Laienspielgruppe der Dompfarrei Würzburg regelmäßig im Herbst auf die Bretter, die bekanntlich für viele die Welt bedeuten. Heuer versuchten sich die zehn Akteure rund um Regisseur Rolf Düchting erstmals an einem Boulevardstück. Die Jahre zuvor hatten sich die Domschauspieler mit Volkstheater im Stil des Komödienstadels" in die Herzen der Zuschauer gespielt. "Wir wollen einfach mal was anderes machen und die ganze Bandbreite unseres Könnens demonstrieren", meinte Regisseur Düchting kurz vor der Premiere zum plötzlichen Umschwung.In den zwei kleinen Garderoben hinter der Bühne herrscht unterdessen geschäftiges Treiben. Da werden mit Kamm und Bürste die Perücken in Form gebracht, Lippenstift und Wimperntusche aufgetragen, ein letztes Mal der korrekte Sitz der Kostüme überprüft und die zahlreichen Requisiten, vom Boxhandschuh bis zum Blumenstrauß bereitgestellt. Der eine oder andere Schauspieler wirft noch einen letzten Blick ins Drehbuch oder greift zur Zigarette. Ansonsten ist vom vielzitierten Premierenfieber nicht viel zu spüren.Nach 18 Jahren Bühnenerfahrung hat sich eben eine gewisse Routine eingespielt. Und in der Tat ist der Kern der Truppe seit 1969, als die Laienspieler der Dompfarrei erstmals öffentlich auftraten, mit dabei. "Damals haben wir den ganzen Aufwand, vom Anfertigen des Bühnenbildes bis zur Generalprobe, für nur eine Aufführung betrieben, aus Angst, beim zweiten Termin vor einem leeren Haus spielen zu müssen", so Düchting. Die Angst war unbegründet, bislang kam das Publikum zu jeder Vorstellung stets in großer Zahl, und das nicht nur aus Würzburg und Umgebung, sondern sogar aus Schweinfurt und aus Poppenroth in der Rhön kommen ganze Busladungen von Zuschauern. Und so erhöhte man nach und nach die Zahl der Aufführungen. Heuer stehen auf dem Programmzettel insgesamt sieben Termine, zu denen alle eingeladen sind, die einmal herzhaft lachen wollen.Was die Theatergäste erwartet, wenn sich der Vorhang öffnet, sei hier nur andeutungsweise beschrieben: Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Sauerkrautfabrikant Friedrich Breitenbach, der so seine liebe Not mit seiner überaus gesundheitsbewussten Frau Amalie hat. Immer nur Grünkernkoteletts mit Spinatknöllchen, das mag dem armen Ehemann nicht so recht schmecken. Und so entwickelt Breitenbach gemeinsam mit seinem Freund und Teilhaber Hugo Hecht einen zunächst genialen Plan. Der Sauerkrautfabrikant schlüpft einfachen die Rolle seines Namensvetters, des berühmten Meisterboxers Friedrich Breitenbach. Immer dann, wenn die Zeitungen wieder vom nächsten "Fight" des echten Boxchampions berichten, packt Sauerkrautfabrikant Breitenbach seine sieben Sachen und steuert die nächste Gastwirtschaft an, um sich an Eisbein und Schweinebraten gütlich zu tun.Soweit so gut, doch eines Tages verliebt sich seine Tochter Lotte ausgerechnet in den echten Meisterboxer und bringt ihn mit nach Hause. Langsam aber sicher wird es für unseren Sauerkrautfabrikanten brenzlig. Als der verliebte Boxchampion schließlich im Heimatort des Sauerkrautfabrikanten antreten will, ist das Fass am überlaufen. Bleibt dem Sauerkrautfabrikanten noch ein Ausweg?Die Antwort auf die Frage gibt's morgen um 19.30 Uhr bei der zweiten Vorstellung im Kolpinghaus und zwar zum Nulltarif. Spenden sind dagegen willkommen und fließen abzüglich der Saalmiete einem guten Zweck zu. Die weiteren Termine: Sonntag, 22. November, 16.30 Uhr; Dienstag, 24. November, 19.30 Uhr; Freitag, 27. November, 19.30 Uhr; Sonntag, 29. November, 16.30 Uhr, und Dienstag, 1. Dezember, 19.30 Uhr. Peter Nossol