Pressestimme zum Stück Alles nur Theater!

Quelle: Main Post vom 2013-11-13
Autor: Jürgen Höpfl

Rolf Düchting inszeniert sein letztes Stück

Nach 44 Jahren Regiearbeit bei der Theatergruppe der Dompfarrei inszeniert Rolf Düchting sein letztes Stück

Alles nur Theater? Da wird Rolf Düchting zwar wehmütig, aber lächelt auch. „Vielen Menschen über vier Jahrzehnte hinweg Freude beschert zu haben, ist wunderbar“, sagt er: „Jetzt müssen für mich andere nachkommen.“ Seinen 70. Geburtstag hat der Ex-Betreiber eines unter seiner Regie stadtbekannt gewesenen Reformhauses im Herbst gefeiert. Nebenher hat er seit 1969, fast ohne Unterbrechung seit 44 Jahren also, Regie geführt bei der Theatergruppe der Dompfarrei, die mit mittlerweile neun Auftritten in jedem November und Dezember mehrere Tausend Besucher anlockt. „Alles nur Theater“ lautet der neue Titel – und ist das Abschiedsstück der Ära Düchting.

Kulturmedaille als Anerkennung

Mit lediglich einer Aufführung hatte es 1969 vorsichtig angefangen; es ging um „Das Wunder des heiligen Florian“. Rolf Düchting schätzte schon immer die schönen Künste – nebst seinem heuer verstorbenen Freund Peter Buschkühl inszenierte er den Florian. 1974 gab es den „Thomas auf der Himmelsleiter“ – wobei der Regisseur seine spätere Gattin Maria kennen lernte, die die Zenzi spielte.

1975, im Jahr der Hochzeit, folgten der „Saisongockel“ bereits vier Mal. Seit 2005 und dem „Fußballkönig“ stehen jeweils neun Termine an – und 2013 folgt fürs komplette Ensemble die Kulturmedaille der Stadt mit Ehrung am 28. November. Eine stolze, schöne Anerkennung.

„Es sind die Menschen, die mich immer bewegt haben“ blickt Rolf Düchting mit Dankbarkeit zurück. „Es sind die Menschen, die uns so hinreißend sagen, wie sehr sie sich auf unsere Stücke freuen“, sagt er: „Es sind auch die Menschen der Theatergruppe, wo wir persönliche Bande entwickelt haben, weit über die Theaterarbeit hinaus.“ Es ist eine Theaterarbeit, die sie alle sehr ernst nehmen. Einmal im Herbst fahren sie zusammen auf ein Wochenende in die Rhön, um die Stücke unter Workshop-Charakter „auf der Bühne lebendig werden zu lassen“, wie es der Regisseur formuliert.

Zu diesem Live-Erlebnis trägt er im Sinne seines Kölner Vorbilds Willi Millowitsch bei, indem er die launige Begrüßung vor dem Auftritt als Markenzeichen geprägt hat – und die Begeisterungs-„Rakete“ am Ende.

Der Millowitsch-Bezug passt in die Vita von Rolf Düchting trefflich: Der sieht sich zwar als alter Würzburger. Vom Naturell her stuft er sich aber auch als „rheinisch“ ein und pendelt gerne zwischen einem ernsten Ton sowie Bonmots über die Kunst und das Leben und ganz besonders die Kunst des Lebens. „Er hat dieses Stück mit Leben erfüllt, beschwingt übermütig, aber nie zur Klamotte abgleitend“, stand in den siebziger Jahren in einer Kritik dieser Zeitung über den „fähigen Regisseur“. Den charakterisierten seine Darsteller in einer Lobesrede 2008 als „smarten, leicht ergrauten Rheingold“, was ihn gefreut hat.

Vier Jahre war der „Rheingold“ bei der Oma in Düren aufgewachsen – eine prägende Zeit. 1970 übernahm er das von Mama Agnes bereits anno 1935 gegründete Reformhaus, das erste in Würzburg. 2009 trat er ab, konzentrierte sich noch mehr aufs Theater, das Golfen mit seiner Maria und das Italienisch an der Volkshochschule.

Nachfolge bestens geregelt

In der Theatergruppe, betont er, werde seine Nachfolge bestens geregelt. Die Sentimentalität wird kommen, ganz sicher. Vorerst indes überwiegt bei Rolf Düchting die Freude aufs Regiefinale. Auch Wolfgang Endres wird wieder mitwirken, wie die Düchtings ist er ein Urgestein des Ensembles, über das der Regisseur ins Schwärmen gerät. „Das wird eine Köstlichkeit bis zum Schluss“, sagt er – und man kann ihm das getrost glauben. Info: „Alles nur Theater“ läuft sonntags am 17./24. Nov. sowie 1. Dez. jeweils um 15 Uhr, zudem am 19., 22., 26. und 29. Nov. sowie 3. und 6. Dez. jeweils um 19.30 Uhr im Matthias-Ehrenfried-Haus, der Eintritt ist frei.