Pressestimme zum Stück Pension Schöller

Quelle: Sonntagsblatt vom 2009-11-24
Autor: Anja Legge

Mit Spielfreude und Herzblut

Laienschauspieltruppe der Dompfarrei begeht 40-jähriges Bestehen

WÜRZBURG. Seit sage und schreibe 40 Jahren bringt die Laienspielgruppe der Dompfarrei alljährlich ein Theaterstück auf die Bühne. Mit viel Idealismus, großem Engagement und unbändiger Lust am Spiel begeistern die passionierten Schauspieler auch im diesjährigen Stück „Pension Schöller“ Alt und Jung – und das ohne einen Cent Eintritt zu verlangen

„Keimzelle unserer Truppe ist die Dompfarrei“

erzählt Wolfgang End­res, der vor 40 Jahren selbst in der Pfarrjugend aktiv war. „Damals führten wir an einem Familienabend ein kleines Stück auf – und waren wirklich überrascht, welche Freude wir den Leuten damit gemacht haben.“ So kam im Pfarrgemeinderat irgendwann die Idee auf, diese Jugend-Aktivitäten wieder aufleben zu lassen. Nachdem auch Dompfarrer Heribert Brander diesen Wunsch geäußert hatte, machte sich die Clique um Wolfgang Endres, Peter Buschkühl, Rolf Düchting und Barbara Dell ans Werk und stellte eine kleine Spielerschar zusammen.
Im November 1969 brachte sie „Das Wunder des heiligen Florian“ auf die Bühne. Ein einziges Mal wurde das ­Stück im Kolpinghaus aufgeführt – „wir wussten ja nicht, ob die Leute kommen“, erzählt Regisseur Rolf Düchting. Und die Leute kamen – scharenweise sogar, so dass man sich entschied weiter zu machen.
In den ersten Jahren konzentrierte sich die Truppe auf das klassische Schwankrepertoire im Bauerntheaterstil. Mit dem „Meisterboxer“ wagte man sich dann 1987 erstmals an ein Boulevardstück – und verbuchte wieder große Erfolge. Mittlerweile gibt die Truppe acht Vorstellungen jährlich – und das wie vor 40 Jahren kostenlos. Lediglich um eine kleine Spende zur Kostendeckung bittet das Ensemble. „Da kann sich wirklich jeder einen Theaterbesuch leisten!“ Summa summarum wurden so 38 Stücke in über 250 Aufführungen auf die Bühne gebracht.

Funke soll überspringen

Die Proben für das jeweils neue Stück beginnen alljährlich im September. Zwei Mal pro Woche treffen sich die Ensemblemitglieder dann und verbringen außerdem ein gemeinsames Wochenende, damit die Schauspieler einmal „frei von der Last des Alltags die Person sein können“. Aus 20 Mitgliedern besteht die Gruppe derzeit – „allesamt Laien, die das Schauspiel lieben, es aber nie professionell gelernt haben“, betont Peter Buschkühl. Nicht zuletzt aus diesem Grund wirkt das Spiel der Truppe so erfrischend und mitreißend. Hauptanliegen von Regisseur Düchting ist es denn auch, das „Stück so lebendig werden zu lassen, dass die Schauspieler mit ihrer Rolle eins werden und dies auch glaubhaft ans Publikum vermitteln.
Die wichtigste Säule für den dauerhaften Erfolg ist für alle Beteiligten aber unbestritten der gute Umgang miteinander und die harmonische Gesamtatmosphäre: „Wir sind wie eine große Familie“, bekräftigen sie einhellig. Während Norbert Steinert mit seinen 66 Jahren zu den Senioren zählt, ist Nesthäkchen Laura gerade mal zweieinhalb Jahre jung; schon als Neugeborenes ließ sich ihre Mutter Bettina Nikolai das Mitspielen nicht nehmen und stillte das Baby in den Spielpausen.Der zweite Garant für das lange Bestehen ist die Freude am Spiel. Das sieht auch Wolfgang Endres so, ein echtes Urgestein aus der Gründergeneration. Er liebt es, in andere Rollen zu schlüpfen und hat vom jugendlichen Liebhaber über den Notar bis hin zum Papst alles gespielt. Die Begeisterung des Publikums ist für ihn die größte Belohnung und Motivation zum Weitermachen.„Auszeit vom Alltag“Auf stolze 20 Jahre blicken Hans Georg Schott und Christiane Kerner zurück. Für die Erzieherin am Hörgeschädigtenzentrum Würzburg ist die Schauspielerei ein Ausgleich zum Berufsalltag: „Hier kann ich in eine andere Welt abtauchen!“ Ganz einfach ist die Sache für Hans Georg Schott: „Auf der Bühne komme ich endlich mal zu Wort“, frotzelt er. Und für Maria Wehner ist das Theater neben der Freude am Spiel auch eine „Auszeit vom Alltag“. Doch ganz egal, ob seit fünf, 20 oder 40 Jahren dabei – Lampenfieber vor der Premiere haben alle Beteiligten. Sogar Barbara Dell, die heuer „nur“ als Inspizientin hinter der Bühne agiert: „Da ist halt doch ein bisschen Herzblut dabei!“Weitere Aufführungen des Boulevardstücks „Pension Schöller“ sind am 27. November um 19.30 Uhr, 29. November um 15 Uhr sowie am 1. und 4. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr im Saalbau Luisengarten (Martin-Luther-Straße 1, Würzburg). Der Eintritt ist frei. Einlass jeweils 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung
Christiane Kerner, Harald Kilian, Wolfgang Endres und Maria Wehner (von links) bereiten sich zusammen mit Maskenbildnerin Martina Förs­ter auf die Premiere des Jubiläumsstücks „Pension Schöller“ vor.