Pressestimme zum Stück Tante Jutta aus Kalkutta

Quelle: vom 1990-00-00
Szenenfoto aus dem neuen Stück der Dompfarrei-Laienspielgruppe: Sir Francis (Wolfgang Endres) macht Charleys Tante einen Heiratsantrag. Foto: RuppertQuelle: Volksblatt Würzburg Peter NossolJubiläum: 20 Jahre Laienspielgruppe Dompfarrei"Charleys Tante" feiert feste mit"Vorhang auf" heißt es heute, 19.30 Uhr im großen Saal des Kolpinghauses. Die Laienspielgruppe der Dompfarrei, die sich vor 20 Jahren mit dem Wunder des heiligen Florian" erstmals auf die Bühne wagte, hat Premiere mit dem Schwank Charleys Tante'.Das Jubiläumsstück, der Dreiakter des Engländers Thomas Brandon, wird gern und oft gespielt. Unzählige Bühnenversionen, zahlreiche Verfilmungen und drei Musicalfassungen liegen vor. Was den Zuschauern heutzutage in der Regel als "Charleys Tante" präsentiert wird, hat mit Brandons Werk meist nur noch den Titel gemein. Der bekannte Schwank aus dem Jahr 1892 wurde viele Male umgeschrieben, rigoros gekürzt und auf die Anforderungen von Film und Fernsehen zugeschnitten. Die Schauspieltruppe rund um Regisseur Rolf Düchting will von alledem nichts wissen. "Wir haben uns bewusst für die Originalfassung in der Übersetzung von Angela Röhl und Reinhold Rüdiger entschieden".Die Geschichte selbst spielt in der Zeit um die Jahrhundertwende in England. Zwei Studenten, Jack Chesny und Charley Wakeham, sind bis über beide Ohren verliebt. Ein Treffen mit den Angebeteten wird arrangiert und Charleys Tante als Anstandsdame bestellt. Doch die alte Dame sagt in letzter Sekunde ab, das von langer Hand vorbereitete Rendezvous droht zu platzen. Die Rettung naht in der Person des Lord Francourt Babberley. Der Studienkollege wird kurzerhand überredet, in Rolle und Kostüm von Charleys Tante zu schlüpfen. Das Verwirrspiel nimmt seinen Lauf ... .Brandons Schwank steht damit in der Tradition dieses Genres, das von Literaten stets belächelt, vom Volk aber mit viel Applaus bedacht wurde. Schon die Antike kannte den Schwank, das Mittelalter die Jahrmarktspiele und die Renaissance die Commedia dell' arte. Komische Situationen, Missverständnisse, Wortwitze und derbe Späße, davon lebt der Schwank und davon lebt auch "Charleys Tante".Für die Domschauspieler, die tagsüber als Regierungsbeamte Bankangestellte, Lehrer, Erzieher innen und Arzthelferinnen arbeiten, war das Jubiläumsstück eine echte Herausforderung. Denn "Charleys Tante" ist, allein was den Textkorpus angeht, ein "dicker Brocken". Nach einer schöpferischen Pause, 1988 gab's kein Vorstellungen, traf man sich heuer wieder im vertrauten Kreis und begann dann Mitte September mit neuem Schwung und neue Kräften mit den Proben. Auf der Suche nach Schauspieltalente wurden Peter Buschkühl und Rolf Düchting, zwei "alte Bühnenhasen", in der Domjugend fündig Elke Papst und Harald Kilian geben in diesem Jahr ihr Debüt.Leseprobe, Kostümprobe, Generalprobe, vor der Premiere jagt ein Termin den anderen. Bühnenbild, Kostüme und Requisiten haben sich die Laienschauspiele heuer erstmals bei den Profis vom Stadttheater ausgeliehen. Trotz dieser Arbeitserleichterung wurde es wie immer eng. Noch Sonntagnacht feilte der harte Kern der Truppe an einzelnen Dialogen. Doch was ein erfahrener Bühnenmann ist, den lässt das kalt. Peter Buschkühl hat schon ganz andere Sachen erlebt: "1982 brauchten wir binnen drei Tagen Ersatz für die weibliche Hauptrolle"Gegründet hat sich die Laienspielgruppe 1969. Peter Buschkühl und Georg Kempa nahmen damals das Heft in die Hand und holten sich Rolf Düchting als Regisseur. Mit nur einer Vorstellung im Jahr fing alles an, aus Angst vor leeren Rängen spielen zu müssen. Heuer sind's acht Vorstellungen, zu denen ganze Busladungen von Zuschauern erwartet werden. Peter Nossol